
Wie fing eigentlich alles an und was brauchen wir wirklich?
Es begann mit der ach so plötzlichen Sperrung des DGH Haldorf durch die Verwaltung und somit der Forderung der Haldorfer Vereine, allen voran des Carnevalvereins, nach einer Lösung.
Sanierung war schnell vom Tisch, also Neubau.
Für mich eine klare Entscheidung für eine Gemeinschaftseinrichtung, in der die Haldorfer Vereine, aber auch Vereine aus den anderen Ortsteilen, ihre Aktivitäten ausführen können, ähnlich dem G1 in Gudensberg.
Bleibt vorab zu erwähnen, diese Situation, in der wir uns befinden, mit einem gesperrten DGH-Haldorf, fiel ja nicht vom Himmel.
Dieses Haus ist systematisch vernachlässigt worden. Wurde über Jahrzehnte nicht ordnungsgemäß instandgehalten.
Dafür gibt es Verantwortliche. Bis vor dieser Legislaturperiode hat die Edermünder SPD vor Ort allein regiert und trägt dafür vollumfänglich die Verantwortung. Es gab bis vor dieser Kommunalwahl auch keine großartigen Ambitionen, sich auf den Weg für eine Alternative zu machen.
Das nur mal kurz erwähnt.
Jetzt wird plötzlich Panik geschoben. Alles muss ganz schnell gehen.
Gesucht wird ein Grundstück in der Gemarkung Haldorf und schnell wird sich auf eine Fläche an der Grifter Straße, gegenüber der Reihenhausbebauung, eingeschworen.
Da die gewünschte Fläche für ein DGH nicht so schnell umsetzbar ist, wird eine Zusammenlegung der Feuerwehren, hier zuerst Grifte/Haldorf ins Gespräch gebracht.
Für eine neue Wehr bekommt man von der Regionalplanung die Fläche zur Bebauung freigegeben.
Also, die Feuerwehr ist der Hebel/der Dosenöffner für ein DGH auf genau diesem Grundstück.
Das zur Diskussion stehende Grundstück liegt in einer zusammenhängend, landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche. Direkt nebenan befindet sich eine Fläche des letzten Vollerwerbslandwirtes in Haldorf. Die Fläche des Vollerwerbslandwirtes ist laut Flächennutzungsplan Wohnbaufläche – aber nicht käuflich, das vorgeschlagene Grundstück ist landwirtschaftliche Fläche – aber käuflich.
Soll später die Wehr aus Holzhausen dazukommen, muss eine Querverbindung von der Grifter zur Holzhäuser Straße hergestellt werden.
Eine Durchfahrt für Gegenverkehr (einrückende und ausrückende Fahrzeuge), muss also ca. 5.50 m breit sein, getrennt vom Schulweg.
Diese Fläche steht erstmal nicht zum Kauf an, wird aber über den Bebauungsplan quasi enteignet (Baulandumlegungsverfahren). Die Straße wird die zusammenhängende, ackerbauliche Fläche trennen, so dass eine landwirtschaftliche Nutzung immer aufwendiger und damit irgendwann aufgegeben wird.
Haben wir diese Fläche erst einmal für die Bebauung geöffnet, wird zwangsläufig weiter Richtung Friedhof gebaut werden. Das nennt man dann Arrondierung.
Wollen wir das?
Wir haben hier eine einmalige Schulwegsituation. Die Kinder können von allen drei Ortsteilen allein zur Schule laufen, durch offene Kulturlandschaft.
Von unserer Seite und der CDU sind Flächen Richtung Grifte ins Gespräch gebracht worden.
Ein paar hundert Meter weiter befindet sich ein Neubaugebiet. Komplett erschlossen, wo so recht niemand bauen möchte.
Daneben liegt eine Gewerbefläche, in der Hand eines Haldorfer Gewerbetreibenden, der verkaufswillig ist.
Für beide Bereiche haben wir einen Bebauungsplan beschlossen, der Gewerbe- und Mischflächen vorsieht. Hier wäre evtl. eine Änderung zu Fläche für Sondernutzung Gemeinwesen von Nöten. Was aber schnell und kostengünstig geht.
Beide Gebiete sind an die neue Infrastruktur in der Haldorfer Straße angeschlossen. Gegenüber der Gewerbefläche haben wir eine neue Parkfläche auf dem Friedhofsgelände erst kürzlich geschaffen.
Rückwärtig die große Gewerbefläche, auf der gegenüberliegenden Seite der Friedhof bilden eine städtebauliche Situation ab, in der Lärm und Licht nicht zum Problem werden. Ist das Neubaugebiet einmal bebaut finden sich DGH und Feuerwehr in einem städtebaulich geschlossenen Ensemble wieder.
Für uns stellt auch die Fläche am Ortsausgang Haldorf an der Holzhäuser Straße eine Alternative dar.
Diese Fläche schließt an die gemeindeeigenen Flächen des Grabelandes an, auf welcher aktuell ein großes Gebäude für Trinkwasserspeicher des Wasserverbandes errichtet werden sollen. Hier reden wir über einen Grundriss von 28,0 x 15,0 m = 420 m² und einer Höhe von 10,60m im First, ein scheunenartiges Gebilde. Diese beiden zusammenhängenden Flächen bieten genug Potential für DGH, Feuerwehr und evtl. auch Sportanlagen, die man aus der Ortsmitte verlagern möchte. Weiterer Vorteil wäre eine Verlagerung Richtung Autobahn. Eine Erweiterung der Wohnbebauung in Richtung Autobahn wird ohne Schallschutz in Zukunft immer schwieriger.
Und hier sprächen wir von einer Ortsrandarrondierung.
Was mich bei der Bearbeitung des Themas Zusammenlegung der Wehren irritiert sind folgende Sachverhalte:
Hier wird ein Thema ins Rennen geworfen, wo kein aktueller Handlungsbedarf besteht.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin ein großer Befürworter von der Zusammenlegung von Ortwehren und habe auch selbst in meiner beruflichen Tätigkeit als Architekt, insbesondere in den letzten Jahren, einige davon geplant und projektiert.
Fazit meiner Arbeiten ist ein großer Ansturm, insbesondere von jungen Menschen, auf diese neuen Standorte. Begeisterung bei den Aktiven, ein mächtiger Motivationssprung.
Im Laufe der Bearbeitung dieser Idee Zusammenlegung der Wehren zeigt sich aber die Hektik, der Zeitdruck, welcher völlig unnötig aufgebaut wird.
Die von uns vorgeschlagenen Standorte Neubaugebiet und Gewerbefläche wurden in der Tabelle für die Hilfsristen nicht durch Zeitangaben berücksichtigt.
Darauf hatte ich in der vorletzten Ausschusssitzung, bei Anwesenheit der Wehrführer – hingewiesen, sollte dann auch ergänzt werden – ist jedoch bis heute nicht passiert.
Laut Feuerwehr-Organisationsverordnung ist unter §4 Hilfsfristen, Alarm- und Ausrückeordnung, Absatz 4, gefordert: Die ermittelten Fahrzeiten sind im Bedarfs- und Entwicklungsplan in Kartenausschnitten grafisch darzustellen. Diese Darstellung fehlt auch in der aktuellen Ordnung.
Laut Bürgermeister wurden unsere Standorte verbalargumentativ im Gemeindevorstand abgearbeitet.
Das ist keine sach-offene Diskussionsgrundlage und Umgehensweise, auf der solche, weitreichende Entscheidungen, finanzieller wie städtebaulicher Art, entschieden werden sollten.
Da kommen wir zu einem weiteren, für uns Grüne sehr wichtigen, Beurteilungskriterium.
Der ökologisch, soziale Eingriff ist für wichtig.
Edermünde hat, auf Anregung der Grünen, einen Bürgerrat Klima initiiert, der für den Umgang mit unbebauten Flächen einen Nullversiegelungsgrad empfohlen hat.
Bei der erstbesten Gelegenheit schlagen wir voll zu und wollen eine Fläche bebauen, in deren Zusammenhang die umgebende Fläche dem Vorhaben quasi zum Opfer fallen wird.
Das ist ein Schlag ins Kontor dieser Edermünder Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich ehrenamtlich für diesen Prozess viel Zeit genommen haben und nun von der Politik negiert werden.
Reden wir mal über Geschwindigkeit:
Wenn man die Landesförderung für eine neue Wehr in Anspruch nehmen möchte, dann müssen beim Förderantrag quasi bauantragsreifere Unterlagen eingereicht werden. Das Projekt kommt dann auf eine Liste. Durchschnittliche Wartezeit bis zum Bescheid, 3-4 Jahre.
Wenn wir schnell eine Lösung für die Haldorfer Vereine schaffen wollen, dann sollten wir das Vorhaben von der Feuerwehr trennen. Wir können ein Grundstück suchen, welches groß genug für beide Gebäude ist, aber beide Projekte gemeinsam umzusetzen, evtl. auch noch in einem Komplex, dann müssen die Vereine warten.
Fazit:
Das vorgeschlagene Grundstück bildet die größten Nachteile ab:
Städtebaulich greifen wir in den landwirtschaftlich genutzten Raum unverhältnismäßig ein.
Wir schaffen bauliche Tatsachen, die zu einer weiteren Verbauung der umliegenden Flächen führen wird. Ferner wird das Landschaftsbild zwischen den Ortsteilen Haldorf und Grifte massiv verändert.
Das den Schulkomplex umgebende Gelände wird urbanisiert.
Wir verquicken 2 Projekte miteinander, bei denen es nicht gleichermaßen pressiert.